„Frauen machen Diät, Männer analysieren Carb- oder Muskelmasse“

„Frauen picken sich ein paar Erbsen oder ein Salatblatt raus:“ So oder ähnlich macht man sich über sie lustig

Es sind meist Frauen, die darüber reden, eine oder mehrere zum Teil sehr radikale Diäten gemacht zu haben. Bei Männern hingegen scheint es darum zu gehen, den Kohlenhydrat-, Zucker- oder Fettanteil zu „analysieren“ – das dann noch in Bezug auf die Muskelmasse, die man hat oder eben nicht. Es geht also um die Umwandlung von Fett in Muskeln – und das sei erreichbar durch wenig Carb (Kohlenhydrate – und natürlich ohne Zucker).

Ich habe noch keine Frau erlebt, die sich darüber lustig gemacht hätte, dass der Mann beim gemeinsamen Essen nur zu „einem Salatblatt“ oder „Grünzeugs“ gegriffen habe. Umgekehrt gibt es viele Storys über vermeintlich genussfeindliche Frauen und sie klingen nicht schmeichelhaft.

Sicher, das Thema „Muskeln“ mag für viele Männer wichtiger sein als für Frauen, aber warum gehen Männer so betont analytisch an die Gewichtsreduktion ran? Haben sie Angst vor einer Feminisierung ihres Lebens? Spätestens dann, als Jogi Löw sein niveaglänzendes Gesicht gezeigt hat in der Fernsehreklame, hat sie stattgefunden: die schleichende Feminisierung des männlichen Lifestyles. Androgyne  Typen und Ladys wie Annie Lennox von der Music-Band „Eurythmics“ oder David Bowie übernahmen dabei auch eine Vorreiterrolle.

Es gibt eine erfreuliche Anzahl an (schwulen) Männern, die sich – zum Teil mit sehr vielen – Pflegeprodukten – eindecken. Mir ist es lieber, wenn ein Freund so viel Ahnung davon hat, dass er mir bei meiner Suche nach einer guten Creme oder einem Puder hilfreiche Tipps geben kann – als Männer, die meinen, gänzlich ohne Deo auskommen zu können, weil der „natürlich virile“ Duft Frauen antörne.

Wie sehr mag es der männlichen Natur entsprechen, sich auf die biologischen Hinterbeine zu stellen und darauf zu beharren, dass Mann Fett verlieren möchte, um im Austausch dazu mehr Muskelmasse zu gewinnen? Die Meinungen driften hier auseinander und eine allein endgültige Meinung wird es dazu nicht geben in absehbarer Zeit. Ich verweise an dieser Stelle an die Profisportlerinnen, deren definierte Muskelpakete ähnlich beeindruckend sind wie männliche Muskelbodys – vorausgesetzt, man mag Muscles.

Wenn wir uns diejenigen Männer anschauen, die stark definierte Muskeln und kaum Fett an den Rippen haben, ist aus ihren Mündern häufig zu hören: „Meine Nahrung ist reich Eiweiß, arm an Kohlenhydraten und Zucker“. Da scheint also was dran zu sein: LowCarb und HighProteine führen eher zu Muskeln als schnellverbrennende Kohlenhydrate wie Weißbrot oder noch schlimmer: Zucker. Unter dem Modebegriff „ketogen“ werden dann auch zahlreiche kohlenhydratdarme Ernährungsstile angepriesen.

Gut, aber warum geben viele Männer nicht zu, dass es ihnen letztendlich auch darum geht, mit weniger wabbelfett am Bauch rumzulaufen, weil sie in die Konfektionsgröße x, y passen möchten? Warum richtet sich der Großteil der periodisch erscheinenden Health-Magazine immer noch an die Frau, kaum an den Mann?

Warum wird in Männermagazinen wie „Men`s Health“ das virile Antrainieren von Muskeln angepriesen? Ist es wirklich so wichtig für Männer, als definierte Muskelpakete rumzulaufen? Das sind Fragen, die in erster Linie Männer beantworten müssen. Am besten mal die Partnerin oder im Freundeskreis die Mädels fragen, was sie davon halten – dann könnte sich die männliche Sicht ein wenig relativieren – zumindest bei denen, die nicht als Bodybuilder professionell auf Bühnen auftreten. Weniger angespannte Muskeln könnten zu einem entspannteren Leben führen.

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