Ist die Walnuss so schlau wie wir?

Eine frappierende optische Ähnlichkeit hat sie ja mit unserem  Hirn, die Walnuss – aber ist sie auch so schlau wie wir?

Einig sind sich Essexperten darin, dass die Walnuss Substanzen enthält, die unseren grauen Zellen einen Kick geben mit dem Ergebnis, dass wir uns z.B. besser konzentrieren können. By the way: Ob dabei unsere grauen in leuchtend gelbe oder gar rote Hirnzellen umgewandelt werden, darüber hat sich bisher kaum jemand geäußert.

Es heißt, das Hirn bräuchte Zucker, um gut zu funktionieren. Damit sind nicht eine Tafel Schokolade oder Sachertorte gemeint, sondern eher wertige Kohlenhydrate, die sich im Körper in Zucker umwandeln oder frisches, saftig-süßes Obst. Ist aber klar, dass dieses komplexe Organ nicht allein Zucker/Kohlenhydrate benötigt., zumal ihm nachgesagt wird, dass er circa 20 Prozent der Energie verbrauche, die wir durch Nahrung aufnehmen.

Was wir wissen, ist, dass Kalium eine große Rolle bei Hirnprozessen spielt. Walnüsse enthalten u.a. Kalium. Wir profitieren auch davon, dass Walnüsse uns mit Magnesium, Zink, wertvollen pflanzlichen Fetten versorgen (ja, die berühmt-berüchtigten Omega-3-Fette, die als mehrfach ungesättigt bezeichnet werden). Die in Nüssen enthaltenen B- und E-Vitamine sind ebenfalls brauchbare Nervennahrung.

Faszinierend ist, dass Walnüsse in der Lage sein sollen, uns Stoffe zuzuführen, die als Vorstufe zur Bildung von Neurotransmittern dienen. Das so genannte Serotonin ist beispielsweise ein Neurotransmitter: Wer zu wenig davon hat, für den ist das Leben bitter. Ein Mangel an Serotonin wird verantwortlich gemacht für Depressionen.

Bei Depressionen können wir nicht einfach ein oder zwei Portionen Neurotransmitter wie Serotonin oder Dopamin schlucken, um sie loszuwerden. Das lässt unsere so genannte Blut-Hirn-Schranke leider nicht zu. Was wir aber tun können, ist, Substanzen einnehmen, die in der Lage sind, als Vorstufe zu diesen Neurotransmittern dafür zu sorgen, dass sie vermehrt gebildet werden können.

Dann müsste ein depressiver Mensch also reichlich Walnüsse essen, um seine lästige Krankheit loszuwerden? Es kommt drauf an: Wenn ich lediglich eine kurzzeitige Verstimmung haben sollte, kann es funktionieren, dass meine Laune etwas besser wird, weil ich Nüsse knacke. Leide ich hingegen an einer veritablen, schweren Depression, dürften Nüsse kapitulieren.

Ich habe noch nie von einem Fall gehört, in dem es geheißen hätte:

„Depressionspatient ist geheilt durch tägliches Walnuss-Futtern“.

Heilen lassen sich schwere Depressionen durch Walnüsse sicherlich  nicht. Wenn Ernährungsexperten die Nuss anpreisen, dann gehen sie von einem relativ gesunden Menschen aus und betrachten die Walnuss nicht als Arznei. Deswegen posaunen sie sowas wie:

„Walnuss, Kraftstoff für den Kopf“. Es scheint um Nuancen zu gehen, die wir kaum mitbekommen in unserem Alltag. Nur wenn wir uns aufmachen würden, über einen längeren Zeitraum hinweg genauer zu beobachten und zu analysieren, ob und wenn ja, welche Änderungen eintreffen bei einem regelmäßigen Verzehr von Nüssen, dann würden wir es eventuell mitbekommen. Tut aber kaum einer von uns, ergo müssen wir uns auf Erkenntnisse der Ernährungswissenschaften verlassen. Und die sind sich einig: Wer regelmäßig Nüsse (Walnüsse, Mandeln, Pekannüsse, Haselnüsse…) verspeist, der tut sich und seinem Hirn was Gutes.

Wollen wir`s mal glauben – zumal das Zeug ja lecker ist. Aber schon gibt es die nächste Einschränkung: Manche warnen davor, nicht mehr als eine Handvoll Nüsse täglich zu verzehren. Wohl weil sie vor den  Fetten warnen wollen. Auch wenn es pflanzliche, wertvolle Omega-3-Fette sind, soll man nicht zu viel davon essen. Ansonsten drohen uns die Fettpölsterchen. Am besten ausprobieren, wo die individuelle Grenzlatte hängt. Meine habe ich deutlich höher gehängt als allgemein empfohlen wird. Ich verdrücke täglich etwas fünf oder sechs faustgroße Mengen Nüsse. Nur dann, wenn ich merke, dass es zuviel wird, höre ich auf. Und erstaunlicherweise ist es mein Kopf und nicht mein Magen, der mir signalisiert:

„Halt, Stop, das reicht für heute mit den Nüssen, sonst kriegst du ne ernährungstechnische Kopfnuss von mir.“

Wir stellen uns vor den Spiegel und erhalten die Antwort auf unsere anfängliche Frage:

„Ja, die Walnuss ist schlau, aber du, mein menschliches Hirn, das hinter den Bergen, bei den sieben …. wohnt, bist noch viieeel schlauer!“.

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