Kopfschwarte lockern: wirksam bei Migräne

Hände und 10 Minuten Zeit für schmerzlindernde Übungen

Mit der  Kopfschwarten-Lockerung haben es Migräne-Geplagte sprichwörtlich in der Hand, Schmerzanfälle vorzubeugen. Für diese Methode braucht es lediglich beide Hände und 10 bis 20 Minuten Zeit.

Weniger Schmerzen und keine Nebenwirkungen

Diejenigen, die sich nicht auf eventuelle negative Nebenwirkungen von Schmerzmitteln einlassen wollen, haben mit dieser manuellen Methode eine reelle Chance, die Häufigkeit und/oder Intensität der Schmerzattacken signifikant zu reduzieren.

Die Wicker-Klinik in Bad Wildungnen hat die Kopfschartenlockerung vor circa 20 Jahren entwickelt und wendet sie in ihrer Abteilung Neurologie/Psychosomatik in Ergotherapie-Gruppen bei Schmerzpatienten an. In einer Gruppe sitzen circa 20 Leute. Sie werden aufgefordert, die Massageübungen nachzumachen, die der Therapeut zeigt.

Vorweg schon mal das statistische Ergebnis, bevor wir auf die Übungen konkret eingehen: Nach der halbstündigen Sitzung, an der ich teilnahm, stellten 11 von 20 Patienten fest, dass ihnen die Eigenmassage geholfen hatte: Ihr Kopf fühlte sich leichter an und bei der nächsten Sitzung berichteten sie, dass sie über viele Stunden schmerzfrei geblieben seien.  Die 9 anderen konnten keine Wirksamkeit feststellen. Sie sagten aus, dass es ihnen auch nicht geschadet habe. Dies ist ein Hinweis darauf, dass negative Nebenwirkungen aller Voraussicht nach nicht zu erwarten sind.

Einige sprechen bombastisch gut auf diese Massagetechnik an

Knapp über 50 Prozent der Teilnehmer hatten also ein wirksames Instrument in die Hände bekommen, das sie jederzeit selbst anwenden konnten. Mit bloßen Händen, einer erlernten Kopfmassagetechnik und 10 bis 20 Minuten ungestörter Zeit lässt sich diese manuelle Heilmethode erfolgreich anwenden. Natürlich ist es auch möglich, dass man nicht selbst, sondern eine andere Person die Massage vornimmt. Vorausgesetzt, dieser Jemand hat die Technik erlernt und kann sie helfend einsetzen. Wenn man die möglichen Nebenwirkungen von Schmerzmedikamenten oder speziellen Migränepräparaten wie Triptane bedenkt, könnte es sich also lohnen, die nebenwirkungsfreie Kopfschwartenlockerung bei sich auszuprobieren.

Massage-Übungen:

Vor dem Start  betont der Ergotherapeut, dass Ruhe und mindestens 15 Minuten Zeit gute Voraussetzungen für das Gelingen sind. Er fängt mit Entspannungsübungen im Gesicht an.

„Legen sie die Finger beider Hände auf die Stirnmitte und streichen sie die Haut sanft nach außen. Das Gleiche machen Sie von der Nasenwurzel über das obere Augenlid an den Augenhöhlen, unter den Brauen entlang.“

Tatsächlich scheint die Stelle zwischen den Augenbrauen ein neuralgischer Punkt zu sein. Wer leicht an den Enden der Nasenwurzel klopft – und zwar dort, wo die Augenbrauen beginnen, wird eine Art neuralgische Aufladung spüren können. Entspannt ungemein die Augen, wenn man nach dem Klopfen mit den Fingern nach außen ausstreicht.

Nach der Gesichtsmassage beginnt er mit der eigentlichen Lockerung der Kopfschwarte. Die  Schwarte ist die Kopfhaut, die sich hin- und her bewegen lässt. Der Skalp sozusagen.

Die Finger werden oberhalb der Ohren an den Schläfen angelegt und ziehen die Kopfhaut leicht nach oben an, loslassen. Kreisende Bewegungen sind ebenfalls möglich: einfach ausprobieren, was mehr entspannt. Stück für Stück arbeiten sich die Finger beidseitig nach oben, bis sie sich an der höchsten Stelle in der Mitte des Kopfes treffen.

Im nächsten Schritt setzt man die Finger hinter den Ohren an und verfährt ähnlich: In Abständen von einigen Zentimetern wandern die Fingerkuppen kreisend oder hebend und loslassend vor, bis man oben zur Kopfmitte gelangt.

Dann ist der Hinterkopf an der Reihe: die Stelle ausmachen, wo der letzte Halswirbel endet und der Kopf beginnt, bzw. draufliegt. Dort kann man leicht reindrücken und dann die kreisenden Bewegungen machen bzw. die Haut hochziehen und loslassen. Die Entspannung ist vor allem am Kiefer, an unserem Kauapparat zu spüren: dort, wo es sonst so fest zugeht. Manche sind hier derart verspannt, dass sie nachts knirschen. Für die Knirscher kann dies eine sehr entspannende Übung sein. In kurzen Abständen den Hinterkopf nach oben hin massieren, bis der höchste Punkt erreicht ist.

Gerade am Hinterkopf kann man die Entspannung merklich verstärken, indem man die Schwarte mit leichtem Druck gegen den Kopf hebt und loslässt. Wer noch mehr Entspannung möchte, kann die beschriebenen Bewegungen von der Kopfmitte jeweils wieder zurück nach unten bis zum Ansatzpunkt führen.

Nach der Massage ein Cooldown mit sanften Streichübungen folgen lassen

Nach der Kopfmassage den Kopf um circa 45 Grad langsam nach links drehen, mit der rechten Hand zum Hals greifen und am Nacken entlang nach vorne zum Hals sanft streichen. Das Gleiche auf der rechten Seite machen. Zum Schluss ebenfalls im 45-Grad-Winkel mit der Hand von der Stirnmitte am Gesicht seitlich entlang zum Hals bis zur Schulter gleiten – ebenfalls beidseitig ausführen.

Tut gut: ein oder zwei Gläser Wasser trinken. Es bietet sich auch an, ins Autogene Training rüberzuleiten, um die Entspannung zu vertiefen.

 

Besser schlafen und intensiver träumen

Kurz vor dem Einschlafen ist die Massage besonders wirksam: Sie kann zu besserem Schlaf und intensiverem Träumen führen. Eine der Teilnehmerinnen der Ergogruppe sagte aus: „Ich träume intensiver und kann am nächsten Tag meine Träume viel besser erinnern. Früher vergaß ich sie meistens sofort.“

Schon nach der ersten Übung kann jeder prüfen, ob diese Methode ihm hilft oder nicht. Entweder man spricht darauf an oder nicht. Ist ähnlich wie bei der Akupunktur: Manchen hilft sie sehr, andere verspüren keine oder kaum Wirkung. Diejenigen, die auf die Heilmethode der Kopfschwarten-Lockerung anspringen, haben damit eine kostenlose und extrem hilfreiche Methode gewonnen, die Phasen der Schmerzfreiheit deutlich zu verlängern. Wer unter chronischer Migräne leidet, weiß, wie sehr die Lebensqualität dadurch steigt.

Noch ein Vorteil: Man spart sich zeitintensive und teure Gänge zum Therapeuten. Allerdings muss diese Methode ernst einmal ordentlich erlernt werden. Da nicht jeder eine Aufnahme in die Reha-Klinik angehen kann oder will, empfiehlt es sich, die Übungen nach obiger Anleitung auszuprobieren. Allerdings sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir keinerlei Gewähr übernehmen, was die Wirksamkeit angeht. Zumal es eh individuell verschieden ist, ob jemand darauf anspricht oder nicht. Wer die Übungen ausführt, tut dies auf eigene Verantwortung.

Ähnlich wie das Autogene Training kann die Kopfschwarten-Lockerung jederzeit und so gut wie überall ausgeführt werden: Auf dem Sofa, in der Arbeitspause, im Zug, im Flieger, auf dem Balkon, im Garten, im Bett…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.