Nackte Tatsachen

Die Bluse spannt an Busen und Bauch, die Hose schneidet beim Schließen ins Fleisch – dennoch nehmen wir die Klamotten eine Nummer zu klein, denn wir nehmen uns vor: Wir werden diese überschüssigen Pfunde abnehmen und dann wird es toll aussehen! Das Ergebnis ist meist folgendes: Wir zwängen uns in die zu klein geratenen Kleider und sehen aus wie eine Wurst mit Taille. Das Abnehmen zieht sich in die Länge, bis wir aufgeben und die unpassenden Klamotten verstauen. Dabei würde es uns viel besser stehen, eine Nummer größer zu kaufen: Kein Spannen mehr, keine eingezwängte Wurst – gut und leger angezogen eben. Also, doch lieber zu 40 greifen, statt sich in 38 oder gar 36 einzuzwängen. Und wenn die Bluse in Größe 40 an einer Stelle zu weit sein sollte, gibt es Änderungsschneider, bei denen wir die Bluse am Bauch ein wenig enger nähen lassen können: Sieht klasse aus: oben kein Spannen mehr, dafür eine schöne Linie hin zum Bauch.

Warum fällt es manch einem so schwer, die tatsächliche Konfektionsgröße zu akzeptieren? Warum sehen wir den nackten Tatsachen nicht ins Gesicht? Warum rennen wir stattdessen Idealen hinterher, die schwer bis gar nicht erreichbar sind? Hat die Mode- und Schönheitsindustrie einen solch massiven Einfluss auf uns, dass wir nicht mehr in der Lage sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen? Nehmen wir Ältere nicht wahr, dass es oft blutjunge Modelle sind, die uns aus den Magazinen ins Auge springen? Dazu noch mit Körpermaßen, die wir nie hatten und nicht haben werden? Ganz zu schweigen von der Photoshop-Kunst, die uns den Rest gibt. Wäre es denn so schön, wenn wir alle gleich aussehen würden?  Der Reiz könnte doch darin liegen, dass wir uns unterscheiden. Eine merklich schräge Nase kann mir ein unverwechselbares Aussehen verleihen. Wenn ich meine Nase schön finde, dann strahle ich das auch aus. Wenn nicht, renne ich zum Schönheitschirurgen und lasse sie operieren. Aber dann sehe ich anders aus – geradliniger vermutlich – aber habe ich dann nicht einen Teil von mir abschneiden lassen, der zu mir gehörte? Nun, dass muss jeder mit sich ausmachen. Wenn jemand sich so unglücklich fühlt mit der angeborenen Nase und nach der OP tatsächlich viel zufriedener rumläuft, dann ist es okay. Dennoch sei die Frage erlaubt, inwiefern es mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun hat und mit der Tatsache, dass man nicht klarkommt mit dem, was außerhalb der so genannten Norm liegt.

Wir von lucky lado plädieren dafür, zu den nackten Tatsachen zu stehen. Wer selbstbewusst zu seinen Mängeln und Schwächen steht, strahlt dies auch nach außen aus. Ist es nicht so, dass wir von der Ausstrahlung eines Menschen stärker beeindruckt sind als von seiner geraden/ungeraden Nase?

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