Schwere Knochen und Klima sind Schuld an meinem Gewicht

Achtung Dickmacher: Schnee im Mai auf Kirschblüten

Mag zunächst gewagt klingen, einen Zusammenhang herstellen zu wollen zwischen unserem Wetter und dem Dickerwerden, aber näher betrachtet ist was dran:

Wenn ich erleben muss, dass es im Mai bei Minustemperaturen noch schneit bei uns im Tal, wie es heuer wieder mal geschah, dann ist es kein Wunder, dass ich mich eher ins warme Haus zurückziehe und dort mampfe, damit mir wärmer wird. Nach draußen will ich nicht gehen, die dicken Schneeflocken fallen unaufhörlich vom grauen Himmel.

Keine Aussicht auf ungetrübtes Blau!  Und Blausein mögen wir nun einmal lieber als dieses ewig nüchterne Grau. Ich hatte im Winter bereits meine Spaziergänge im Schnee, das brauche ich im Mai wirklich nicht! Es stimmt mich eher traurig, wenn ich sehen muss, wie die ehemals strahlend pinken Blüten des Apfelbaums unter der Last des Maien-Schnees einzugehen drohen. Das nimmt dem aufkeimenden Frühling und damit auch meinem Frühling die Kraft. Das Gefühl der Leichtigkeit geht flöten.

Ich hab eh schwerere Knochen als die meisten und durch dieses Wetter habe ich es doppelt schwer: Anders als in mediterranen Ländern halten wir uns bei eisigen Temperaturen im Mai nicht so gern draußen auf. Durch häufiges und üppiges Essen versuchen wir, so etwas wie ein Wärmegefühl zu erhaschen. Damit ist nicht in erster Linie die Wärme gemeint, die nach dem Essen bei der Energieverbrennung eine Rolle spielen mag, sondern e-Wärme, also emotionale Wärme.

Wir holen Essen für vieles heran: bei Liebeskummer neigen einige dazu, sich mit Süßem vollzustopfen, um den Verlust „des Süßen“ bzw „der Süßen“ besser zu verkraften.

Natürlich gibt es auch diejenigen, die völlig unabhängig von den Temperaturen dazu neigen, sich zu jeder Jahres- und Witterungszeit wahllos vollzustopfen. Dabei dürfte es meist darum gehen, die bereits erwähnten emotionalen Löcher zu stopfen.

Um es offen auszusprechen: Wir missbrauchen das Essen für dieses und jenes. Bedeutet: Essen selbst ist vollkommen unschuldig. Erst dann, wenn wir Menschen ins Spiel kommen, tauchen die bekannten Probleme auf.

Ich habe noch nie gesehen, dass eine Currywurst mit Pommes von allein durch die Luft geflogen und zufällig in unser Maul gefallen wäre. Nein, dafür braucht es eine oder mehrere Hände und eine aktive Handlung, die mehr oder weniger bewusst abläuft.

Was mir dabei ein Rätsel ist: Wenn viele von uns bequeme Wesen sind, die es vorziehen, so wenig wie möglich aktiv zu sein – ein kurzer Blick in unsere Wohnzimmer abends gegen 20 Uhr  möge dies bestätigen –  warum machen wir uns dann aktiv die Mühe, zum Fraß zu laufen, es mehr oder weniger lang/gut zuzubereiten und es dann zu mampfen?

Gut, dieser Bequemlichkeit mag es entsprechen, dass wir eher zu Convenience Food greifen und dann es gerade noch schaffen, eine Tüte Chips flugs zu fischen, bevor wir es uns auf dem Sofa endlich bequem machen – aber dennoch: Auch dies ist eine aktive Bewegung, die Energie kostet.

Würde es also unserer Natur eher entsprechen, vor lauter Faulheit & Bequemlichkeit elendig zu verhungern? An dieser Stelle kommt der andere Trieb ins Spiel, der ähnlich stark ausgeprägt zu sein scheint wie unsere Faulheit: Hunger/Gier.

Es bekämpfen sich zwei Urtriebe mit dem Ergebnis, dass wir uns ne fertige Packung „Chicken süß-sauer“ in die Pfanne hauen.

Und das alles nur, weil es draußen so furchtbar kalt ist! Hätten wir wie in Rom ein wärmeres Wetter, wäre das sicherlich anders. Womöglich in geselliger Runde und die Mahlzeiten gemeinsam genießen, die in einer Küche mit gutem Leumund zuvor zubereitet wurden. Oder aber auf der Terrasse eines Freundes bei lauem Lüftlein mit lauter leckerem Essen auf dem bunt gedeckten Tisch und in gut gelaunter Gesellschaft. Wenn dann noch der Daniel neben mir sitzt, habe ich bei seinem atemlosen Dauergerede und bohrenden Nachfragen kaum Gelegenheit, ungestört aufzuessen: super kommunikative und soziale Art, auf Linie zu bleiben.

Aber die Realität sieht trüb aus: Es sind nicht nur die schweren Knochen, durch die einige von uns mehr wiegen (ja, auch Knochen scheinen mit der Zeit noch schwerer zu werden als sie eh schon waren) – auch unser unangemessenes Wetter führt wie oben beschrieben dazu, dass wir stetig zunehmen. Ist ja auch kein Wunder, wir weilen jedes Jahr ein Jahr mehr auf Erden, da summiert sich dann schon was zusammen.

PS: Mir ist klar, dass wir beim Klimathema global betrachtet deutlich schwerwiegendere Probleme haben, aber das war nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Es schadet m.E. nicht, auch auf Light-Schauplätze hinzuweisen. Wer jetzt einwenden will, dass wir durch den Klimawandel ähnlich heiße Temperaturen bekommen werden wie Süd-Europa sie schon hat, dem sei gesagt: Das ist ein langsamer Prozess und hat Ursachen/Folgen, die katastrophal für uns ausgehen können. Ergo kein Grund zur Freude. Abgesehen davon gehen einige Klimaforscher davon aus, dass zwar die Sommer heißer werden, wir aber im Zuge beidseitiger Extreme mit noch kälteren Wintertagen zu rechnen haben.

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