Schlagwort: Blutfluss

Verkalkte Herzen

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Ein 83-jähriger Patient erzählte mir, wie er zu einem Stent im Herzen kam:

„Es fühlte sich eng in meiner Brust an, ein Druckgefühl, gepaart mit starken Schmerzen, die bis hin zu meinem linken Arm ausstrahlten.“

So hätten die Beschwerden begonnen. Das habe ihn unruhig gestimmt, weil er bis dato keinerlei Probleme mit dem Herzen gehabt habe.

Trotz gesunder Lebensweise mit viel Bewegung habe ich Herzprobleme

„Ich bewege mich regelmäßig, rauche und trinke nicht, ernähre mich überwiegend mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten. Trinke hauptsächlich Wasser und das reichlich. Eigentlich dürfte ich kein Herzpatient sein, oder? Aber mein Alter“, fügt er mild lächelnd hinzu. „Das wird es wohl sein: Ich bin immerhin 83 Jahre alt, da kann schon mal was verkalken.“

Labortest bringt zu hohe ldl- und Triglycerid-Werte zutage

„So gesund ich mich auch ernährte und lebte: entweder waren meine ungünstigen Blutfett-Werte wie ldl-Cholesterin und Triglyceride von meinem Vater genetisch geerbt oder ich hatte eine Fettstoffwechselstörung, anders konnte ich mir den verkalkten und verengten Zustand meiner Herzarterie nicht erklären. Zumal ich andere Männer und Frauen in meinem Alter kenne, die nicht so gesund leben wie ich und dennoch deutlich weniger verkalkt sind am Herzen. Der Arzt habe ihm erklärt, dass das Verhältnis von ldl- und hdl-Cholesterin bei ihm ungünstig sei.

ldl und hdl-Cholesterin im Verhältnis zueinander

Was ihn erstaunt habe: Obwohl der Arzt ihm bescheinigt habe, dass sein Gesamt-Cholesterinwert im Normbereich sei, hätte er wegen seines zu hohen ldl-Anteils Probleme. Man dürfe nicht nur die einzelnen Werte an ldl- und hdl-Cholesterin betrachten, sondern es müsse auch das Verhältnis zwischen diesen beiden Stimmen. Und da herrsche bei ihm ein deutliches Ungleichgewicht. Und seine viel zu hohen Triglycerid-Werte täten ihr Übriges, so dass es notwendig sei, einen Blutfett-Senker einzunehmen.

Das ldl-Cholesterin steht im Verdacht, Ablagerungen in den Arterien zu verursachen und wird deshalb umgangssprachlich als „böses“ Cholesterin bezeichnet.

Zusammen mit der Ultraschallaufnahme am Herzen, die der Arzt zuvor gemacht hatte, kam er zu dem Schluss, dass es Zeit wurde, etwas zu unternehmen. Angesichts der akuten Beschwerden im Brustbereich empfahl er seinem Patienten, sich ins Katheter-Labor eines Klinik-Kollegen zu begeben.

„Das machte mir Angst, immerhin ging es um mein Herz, ist ja unser „Motor“ – und wenn der nicht mehr richtig funktioniert, da macht man sich den einen oder anderen dunklen Gedanken: `Muss da jetzt was gemacht werden und wie überstehe ich sowas in meinem Alter?“

Was tun, wenn ein Herzgefäß stark verkalkt und dadurch verengt ist?

Der Kardiologe rät ihm erneut dringend zum Eingriff, denn eine starke Verkalkung und Verengung könne schlimmstenfalls zu einem Herzinfarkt führen.

Zum Nachdenken war nicht mehr viel Zeit, er beschloss, den Eingriff anzugehen und teilte seine Entscheidung dem Kardiologen mit.

„Ich spreche es mit meinem Klinik-Kollegen ab. Er wird Ihnen recht schnell einen Termin einräumen in seinem Katheter-Labor und Sie gehen dann bitte am frühen Morgen nüchtern zu ihm. Er wird einen Katheter einführen und mit Hilfe eines Kontrastmittels sehen können, was genau zu tun ist.“

„Was wird denn da gemacht?“, habe er nachgefragt.

Was im Herz-Katheterlabor gemacht wird

„Zunächst einmal wird der Kollege sich angucken, ob tatsächlich Handlungsbedarf besteht, was den Grad der Verkalkung und die daraus resultierende Verengung der Herzgefäße angeht.“

„Aha“, denkt sich der Patient, „da habe ich ja vielleicht noch eine Chance, dass es nicht so arg aussieht.“

Der Kardiologe hatte ihm erklärt, wie es weitergehen würde, wenn etwas unternommen werden musste. Er würde einen Stent eingesetzt bekommen. So ganz genau hatte er nicht verstanden, wie sowas abläuft. Woran er sich erinnerte, waren Worte und Aussagen wie: „Gefäß dehnen“, „Stent einsetzen“, „Stent ist eine Stütze, die drinbleibt, damit das Blut wieder ungehindert durchfließen kann.“

Eine Vollnarkose sei nicht vonnöten. Sollte der Arzt den Katheter über die Hand, bzw. den Arm führen, bekäme er eine entsprechende lokale Betäubung – das Gleiche gelte für die Leiste, von da aus sei es auch möglich, den Herz-Katheter zu legen und ihn bis hin zum Herzen zu führen. Genaueres würde er beim Kollegen im Katheter-Labor erfahren: „Ein ausgesprochen versierter Experte, was Herz-Stents angeht“, diese Worte gab er seinem Patienten mit auf den Weg.

„Dennoch konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Ich fragte mich immer wieder: `Was, wenn mein Herz es nicht schafft?`“

Müde und nüchtern habe er sich am Morgen seines Termins in die Kardiologie der empfohlenen Klinik fahren lassen. Das so genannte Katheter-Labor sah aus wie ein OP-Raum. Das habe seine Ängste erneut verstärkt. Dann aber sei er heilfroh gewesen, als der Klinik-Kardiologe auf ihn zugekommen sei mit einem Lächeln, das Zuversicht ausstrahlte.

„Trotz meiner Ängste bekam ich das Gefühl, in richtigen Händen zu sein. Ich brauchte daher kein Beruhigungsmittel.“

Was dann folgte, sei ein Minimalschnitt am Arm gewesen, von Anfang bis Ende der Prozedur (das Ganze dauerte so circa 40 Minuten) habe er kaum einen Schmerz gespürt.

„Mein Kopf war klar, ich hatte ja nur eine lokale Betäubung. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was besser ist: lokal betäubt zu sein und alles mit dem Kopf mitzukriegen oder eine Vollnarkose, die das Risiko des Nicht-wieder-Aufwachens mit sich bringen könnte.“

Erstaunlich ruhig habe er gelegen, während ihm der Katheter eingelegt worden sei. Als die Prozedur zu Ende war, informierte ihn der Kardiologe:

Herz-Stent eingesetzt

„Sie haben einen Stent bekommen, denn ihre Beschwerden rührten daher, dass die Arterie stark verengt war. Und es handelt sich nicht um irgendeine Arterie, sondern um einen großen Ast.“

Okay, damit waren die stets wiederkehrenden Beschwerden erklärt, die ihm große Angst eingejagt hatten.

„Der Stent liegt jetzt optimal an der Gefäßwand. Das Blut kann jetzt wieder ungestört und frei fließen.“

Er sei anschließend auf die normale Station zur Beobachtung verlegt worden für eine Nacht.

„Ich fühle mich großartig, Herr Doktor!“, habe er seinem Arzt zugerufen. „Gar kein Enge- oder Druckgefühl mehr in meiner Brust, keinerlei Schmerzen! Als sei mir ein neues Leben geschenkt worden!“

Nach dem Implantieren eines Herz-Stents: zunächst schonen

„Das freut mich für Sie. Ihre Lebensqualität sollte durch den neuen Stent nicht beeinträchtigt sein. In wenigen Tagen können Sie Ihr normales Leben wieder fortsetzen – nur bitte darauf achten, dass Sie sich in der ersten Zeit nicht zu sehr anstrengen, keine allzu schweren Sachen heben. Regelmäßig bewegen hilft Ihrem Herzen und Ihnen: aber bitte stets moderat: täglich 30 bis 60 Minuten wären optimal. Wir sind ja keine Leistungssportler. Sparziergänge an der frischen Luft, Wandern, Rad fahren zum Beispiel wären passende Sportarten.“

„Mache ich sowieso, Herr Doktor, und werde ich auch fortsetzen, versprochen. Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll. Es fühlt sich so anders, so frei an!!!“

Dies ist ein subjektiver Erfahrungsbericht, kein medizinischer Artikel

Dies ist kein medizinischer Artikel, sondern die subjektive Erfahrung eines 83-jährigen Herz-Patienten, soweit er sich an die Vorgänge erinnert. Ich habe sie deshalb niedergeschrieben, weil ich allen Menschen Mut machen will, die Probleme mit ihrem Herzen haben. Auch denen, die jenseits der 80 sind und vielleicht vermehrt Angst haben, wenn sie unter Herzbeschwerden leiden. Wir haben – wie in diesem Fall – fantastische Fachärzte, die dafür sorgen, dass das Herz wieder ordentlich pumpt und der Blut-Durchfluss wieder gewährleistet ist. Ärzte, die Beschwerden wie Verengung der Herzkranzgefäße gekonnt beseitigen und ihrem Patienten „ein neues Leben schenken“.

Dieser Erfahrungsbericht ersetzt in keiner Weise den Gang zu Arzt, wenn Beschwerden vorliegen sollten!

Was man selbst tun kann fürs Herz

Sanfte Sportarten wie moderates Radfahren an der frischen Luft oder wandern/Spaziergänge helfen, das Herz gesund zu erhalten.

Wie an unserem Fallbeispiel zu erkennen ist, kann das Herz leider auch dann verkalken, wenn man in puncto Ernährung & Bewegung alles richtig macht. Das kann daran liegen, dass man entweder

— mit der Zeit das Risiko einer Verkalkung der Herzgefäße steigt (es sind eher ältere Leute, die darunter leiden)

— eine genetische Disposition vorliegt

–Bluthochdruck

— unter einer Fettstoffwechsel-Störung leidet

— manche machen auch Infektionen verantwortlich, die verursacht werden durch Bakterien, Viren oder Pilze.

Auch wenn es genetisch bedingt sein mag, kann man selbst einiges tun, um einer eventuellen Verschlimmerung zuvorzukommen:

–Weiterhin regelmäßig bewegen und gesund ernähren.

— Wurden vom Kardiologen Medikamente zur Blutverdünnung, zum Absenken des Bluthochdrucks und/oder der Blutfett-Werte wie Cholesterin, Triglyceride (so genannte „Lipid-Senker“) verordnet, weil es nicht ausreicht, diese Werte allein durch eine gesunde Lebensweise und viel Bewegung zu senken, sollten diese eingenommen werden.

— Regelmäßig zur Herzkontrolle gehen, damit festgestellt werden kann, ob eine Verengung vorliegt/droht. Und natürlich auch deshalb, um zu überprüfen, ob und in welchem Maße es gelungen ist, Blutdruck- und Blutfettwerte zu senken.