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Drugs & Rock`n Roll, Teil 2

Aus der Reihe: „Körpereigene Drogen“

Teil 2: Endorphine

Unser Körper: Ein Pool mit körpereigene Drogen

Wir haben körpereigene Drogen. Es geht hier also nicht um Marihuana, Kokain oder Ecstasy, die von außen zugeführt werden, sondern um die Stoffe, die wir bereits in uns tragen und deren Mengenverhältnisse samt komplexer physiologischer und psychischer Interaktion einen enormen Einfluss haben auf unsere Psyche, kognitiven Fähigkeiten, Gesundheit, unser Wohlbefinden und Verhalten.

Welche Drugs  es sind, wie wir sie mit natürlichen Mitteln & Methoden herauskitzeln können, das will ich in dieser kleinen Reihe „Drugs & Rock`n Roll“ beleuchten. Dabei betrachte ich die Effeke, die auf der einen Seite bei einem eklatanten Mangel und auf der anderen bei einem signifikanten Überschuss entstehen können.

ACHTUNG: Liegt ein gravierender Mangel oder Überschuss an bestimmten Substanzen wie Dopamin vor, ist dringend geboten, einen Arzt (in diesem Falle einen Neurologen/Psychiater) aufzusuchen, weil dies behandlungsbedürftige Erkrankungen zur Folge haben kann. Ich betrachte in dieser Reihe nur leichte,  graduelle Schwankungen, auf die wir selbst Einfluss ausüben können.

Was in dieser Reihe mit „Drugs“ gemeint ist

Den Begriff „Drug“ fasse ich recht weit: Alle Stoffe, die beteiligt sind, wenn es um unsere Hirn- und Körperfunktionen (so genannte „Neurotransmitter“ zum Beispiel) geht und die Einfluss nehmen auf unser Befinden, emotionales Verhalten, unsere Gedanken, Gefühle und die Perspektive, die wir einnehmen, wenn wir die Welt/Ereignisse/ andere Menschen betrachten/beurteilen.

Einen wissenschaftlichen Anspruch erhebe ich nicht.  Das heißt, dass ich lediglich eine Auswahl an „Drugs“ thematisiere, dabei manchmal nur Teilaspekte betrachte, die mir interessant erscheinen hinsichtlich der Frage: Kann ich bei einem eventuellen Mangel/einem Zuviel an körpereigenen Drugs etwas ändern, damit es mir besser geht? Oder, was deutlich vernünftiger wäre: Kann ich dies gemeinsam mit meinem Arzt/Therapeuten angehen? Genauere chemische Zusammensetzungen oder theoretische Abfassungen sind weniger Gegenstand dieser Betrachtungen.

Natürlich läuft es nicht so einfach, dass man sich einen Neurotransmitter reinschiebt und schon ist alles wieder im Lot. Erstens können einige Substanzen wie z.B. Serotonin leider nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden und zweitens spielen sich im Hirn/Körper hochkomplexe Funktionen ab, die miteinander zusammenhängen und nuanciert unterschiedliche Ergebnisse liefern. Medikamente (Psychopharmaka), die bei Depressionen oder Psychosen auf Neurotransmitter abzielen, um die Dysbalance wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen, bringen manchmal leider gravierende Nebenwirkungen mit sich. Umweltfaktoren und die individuelle Gen-Landschaft spielen natürlich auch noch mit.

Teil 2: Endorphine

Körpereigene Endorphine stimmen uns euphorisch und lassen uns unser Ziel erreichen, trotz Anstrengung und Schmerzen. Das ist bei Profi-Athleten oft zu beobachten. Im normalen Alltag können wir auch etwas dafür tun, dass unser Körper mehr Endorphine ausschüttet. Foto: shutterstock

Runner`s Rausch

Ein Hobby-Sportler wird so etwas wie Runner`s Rausch („Runner`s High“) eher nicht erleben: Profisportler, die intensiv, häufig und lange trainieren, kennen hingegen den pushenden Kick-Effekt. Sie beschreiben es als eine Art Rausch, ein Glücksempfinden. Beim intensiven Sport setzt der Körper vermehrt Endorphine frei. Sie sind unsere endogenen Morphine, wie der Begriff selbst schon nahelegt. Da Endorphine an den gleichen Rezeptoren andocken wie von außen zugeführte Opiate, können sie den rauschartigen Zustand erzeugen und uns euphorisch stimmen.

Euphorie durch Endorphine

Im Profisport zu beobachten: Radrennfahrer, Langstreckenläufer oder Biathleten sehen aus, als seien sie am Limit, manchmal wirkt die Mimik angestrengt, schmerzverzerrt – aber am Ziel angekommen, lächeln sie befreit, können vor Glück kaum Worte finden, um auszudrücken, wie sehr sie sich freuen über die erbrachte Leistung. Unsere Endorphine sind in solchen Extremsituationen in der Lage, Schmerz zu unterdrücken. Ein probates Schmerzmittel also, das wir immer mit uns führen. Auf der anderen Seite verschaffen sie das Gefühl des euphorischen High-Seins. Sie gewinnen an Oberhand, wenn wir unbedingt ein bestimmtes Ziel erreichen wollen, es trotz aller Widerstände und Schmerzen durchziehen und unser Ziel erreichen. Als würden Endorphine den Schmerz betäuben, damit wir weitermachen können – doller Mechanismus, das.

Im Alltag helfen uns Endorphine ebenfalls mit ihrer schmerzstillenden Kraft: Wenn wir uns z.B. verletzt haben. Dass diese Funktion ihre Grenzen hat, liegt auf der Hand: Es gibt Schmerzen wie zB an einem akut entzündeten Zahn, die nicht auszuhalten sind.

Wenn die Endorphin-Funktion stimmig ist, sind wir belastbarer. Nichts haut uns so schnell um, wir sind heiter gestimmt. Fehlt es mir hingegen permanent und über einen längeren Zeitraum hinweg, feht es auch an Antrieb, Lust, Motivation und Freude.

Wie erreiche ich, dass mein Körper mehr Endorphine ausschüttet, obwohl ich kein Profisportler bin?

Wer sich müde, antriebslos oder gereizt fühlt und düsteren Gedanken nachhängt, kann ein Gegenprogramm ansteuern, um aus dieser negativen Spirale wieder rauszukommen. Das gilt nur für leichte Verstimmungen, ernsthafte Erkrankungen wie eine schwere Depression oder gar Psychose gehören in eine (fach-)ärztliche Behandlung.

Was wir selbst tun können bei leichten Verstimmungen und Antriebslosigkeit:

Versuchen, die Trägheit zu überwinden und raus an die frische Luft! Regelmäßige Spaziergänge können schon dazu beitragen, dass wir unseren Körper motivieren, vermehrt Endorphine auszuschütten. Am besten noch bei Sonnenschein, denn das hebt die Laune noch stärker. Unsere Haut kann mehr Vitamin D produzieren durch das Sonnenlicht: Vitamin D wiederum hilft im Wechselspiel mit körpereigenen Substanzen, unsere Glückshormone zu wecken. Lacht uns die Sonne an, lächeln wir zurück. Und Lachen ist die Medizin, die ebenfalls  in der Lage ist, Endorphine herauszukitzeln. Lächeln und Lachen, auch wenn nur der geringste oder sogar gar kein Anlass besteht: das kann uns helfen, düstere Stimmungsphasen elegant zu umgehen. Einige Psychologen und Hirnforscher gehen davon aus, dass es kaum einen Unterschied macht, ob wir lachen, weil wir tatsächlich einen Grund dafür haben oder es völlig grundlos tun: Wir können also unserem Hirn vorgaukeln, dass es was zu lachen gibt und er nimmt es uns ab. Mit diesem raffinierten Trick können wir unser Hirn und damit uns selbst auf eine heitere Ebene hieven. Ich erschrecke mich manchmal im Positiven, wie schön plötzlich ein Mensch aussieht, nur weil er/sie lächelt. Ein Grund mehr zu smilen. Weitere Möglichkeiten, Endorphine freizusetzen: Schoko essen (kann sich aber nachteilig auf Zähne und Gewicht auswirken) – oder Erotik/Sex.

Zu einem gewissen Teil können wir auch über unsere Ernährung unseren Endorphinspiegel beeinflussen.

Hierzu eignen sich u.a. folgende Lebensmittel:

Fisch

Bananen

Hülsenfrüchte

Sesam

Avocados

Haferflocken

Käse

Mehr Infos zum Thema Endorphine finden sich hier:

https://www.dasgehirn.info/krankheiten/sucht/dopamin-und-endorphin-stoffe-die-suechtig-machen

https://www.brain-effect.com/magazin/endorphine-glueckshormone