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Augmented Kitchen 1: Naturjoghurt zum Nachfetten der Haut statt teurer Cremes

Molkereien stellen Joghurt im großen Stil her, aber er lässt sich auch zu Hause selbst machen.
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Die Reihe „Augmented kitchen“ stellt vertraute Lebensmittel aus der Küche vor und erweitert sie zu hilfreichen Heilmitteln oder Kosmetika.

Teil 1: Naturjoghurt zum Nachfetten: Kein langes Suchen nach DER Creme

Kann teure Cremes einsparen und macht die mühselige Suche nach DER richtigen Creme überflüssig: Naturjoghurt.

Anzahl und Art der käuflichen Gesichtscremes scheint schier unendlich zu sein: die Kosmetikindustrie lässt sich öfter mal was Neues einfallen und dann ist es DIE Creme überhaupt. Derzeit ist „Hyaluron“ das Zauberwort. Mag sinnvoll sein, Cremes etwas beizumengen, das eh ein Bestandteil unserer Haut ist und mit zunehmendem Alter verloren geht – aber eine Creme besteht ja in der Regel nicht nur aus Hyaluron. Und hier beginnt es schwierig zu werden: Wer eine empfindliche Haut hat, muss auf sämtliche Inhalts- und Zusatzstoffe achten, die ebenfalls in der Creme stecken.

Ich weiß also nicht, ob DIE Creme auch tatsächlich DIE Creme für mich ist. Die Hersteller können nicht wissen, was meine Haut gut verträgt und was nicht. Was allgemein gesund sein mag für die Haut, könnte im individuellen Fall eine allergische Reaktion hervorrufen. Das macht die Suche nach einer passenden Creme noch schwerer als es eh schon ist.

Natur pur: cremiger Joghurt ohne chemische Zusätze

Ein Natur-Produkt: innerlich wie äußerlich anwendbar und hilfreich Foto: tk

Wenn ich hingegen Joghurt aus der Küche hole, weiß ich, was ich mir auf die Gesichtshaut schmiere: kein Parfüm, kein Alkohol, keine chemischen Duft-, Konservierungs-, Emulsions- oder sonstige Zusatzstoffe.

Die Basis von Joghurt ist Milch. Wenn Milch mit bestimmten Milchsäurebakterien versetzt wird, entsteht Joghurt. Der in der Milch vorhandene Milchzucker (Laktose) wird in Milchsäure umgewandelt. Die Milch gerinnt und bekommt einen säuerlichen Geschmack. Nach diesem Prozess ist aus der Milch bekömmlicher Joghurt geworden. Viele, die Kuhmilch nicht gut vertragen, kommen aus diesem Grund mit Joghurt besser klar. Innerlich verspeist wirken Milchsäurebakterien im Darm als Probiotika: Wenn ich mir zu viel Joghurt aufs Gesicht geschmiert habe, kann ich es mit gutem Gefühl abschlecken und Richtung Magen-Darm schicken. Joghurt ist also innerlich und äußerlich anwendbar.

Es hat seinen Grund, warum im Vorderen Orient so viel Joghurt gegessen und Ayran (Joghurt plus Wasser plus Salz) getrunken wird: Viele haben immer noch keinen Kühlschrank und laufen dadurch Gefahr, verdorbene Lebensmittel (insbesondere Fleisch) zu essen. Mit Joghurt „reinigen“ sie ihren Darm auf natürliche und einfache Weise.

Auch bei der Küchen-Kosmetik gilt es, auf Verträglichkeit zu achten

Da Naturjoghurt mit 3,8 oder 10 Prozent Fettanteil eine cremige Konsistenz hat, wäre es wichtig, die Haut vorher gründlich zu reinigen. Sonst kann es passieren, dass man sich die Poren verstopft. Dies insbesondere dann, wenn man zu fettiger Haut neigt, deren Poren häufig verstopfen. Natürlich gilt es vorab zu testen, ob man Joghurt auf der Haut überhaupt verträgt. Wenn nicht, muss man sich wohl wieder auf die Suche nach einer Creme begeben.

Nach der gründlichen Gesichtsreinigung den Joghurt auf Gesicht, Hals und Dekolleté auftragen.

Den Joghurtfilm entweder sofort ausspülen oder etwas einwirken lassen. Es geht hier nicht um eine Joghurt-Maske, die circa 10 Minuten draufbleiben, sondern um das Nachfetten, das nach jeder Gesichtsreinigung erfolgen und deshalb nach dem sanften Einmassieren sofort wieder abgewaschen werden kann.

Beim Auftragen und Ausspülen darauf achten, dass in die Augen kein Joghurt gelangt, weil sie sonst gereizt reagieren könnten, indem das Weiß der Augen beispielsweise rot anläuft, es im Auge brennt oder man das Gefühl bekommt, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Deshalb die Partie um die Augen herum besonders gründlich klarspülen und sanft tupfend abtrocknen.

Positiver Effekt von Natur-Joghurt: Haut wirkt regeneriert, glatter, samtig-weich – und vor allem: Nach dem Nachfetten mit Naturjoghurt lassen sich Puder oder MakeUp problemlos auftragen.

In Wintermonaten oder bei sehr trockener Haut bietet sich die griechische Version mit rund 10 Prozent Fettanteil an. Naturjoghurt macht die Haut angenehm geschmeidig, verleiht einen frischen Teint, wirkt faltenglättend und spendet Feuchtigkeit. Zu einem überwiegenden Teil besteht Joghurt aus Wasser. In Kombination mit 3,8 oder 10 Prozent Fettgehalt, Eiweiß und weiteren Bestandteilen wie Riboflavin oder Folsäure tut er der Haut schlichtweg gut.

Dadurch, dass der Joghurt nach der Gesichtsreinigung abgespült wird, wird die Haut durch diese zweite Reinigungsprozedur noch gründlicher sauber und gleichzeitig erhält sie eine satte Pflege.

Afer Sun Balsam: kühler Naturjoghurt aus dem Kühlschrank

Wer zu viel Sonne abbekommen hat und mit heißer, geröteter Nase/Haut nach Hause kommt, kann zum Naturjoghurt im Kühlschrank greifen und erfährt sofort eine wohltuende Kühlung samt Pflege. Die Haut beruhigt sich schnell wieder und dadurch kann einem lästigen Sonnenbrand entgegengewirkt werden.

Gesichtsmasken mit Joghurt sind auch empfehlenswert. Der Unterschied zum Nachfetten: Sie bleiben länger auf der Haut. 5 bis 20 Minuten einwirken lassen, je nachdem, ob und wie sehr man möchte, dass die Joghurtmaske antrocknet und die Haut beginnt zu spannen. Hier einige Kandidaten, die zusammen mit Joghurt wunderbare Pflegemasken ergeben:

Gurken

Eine kleine Gurke zusammen mit Joghurt mit dem Stabmixer pürieren, auf die Haut auftragen und nach ca 10 Minuten abspülen. Wer die Haut zusätzlich kühlen möchte (zB nach einem Sonnenbad), lässt die Mixtur 1 oder 2 Stunden im Kühlschrank liegen. Achtung: Gurken enthalten viel Wasser und machen die Mixtur dünnflüssig – daher entsprechend wenig Gurke hinzufügen, um die Maske problemlos und ohne viel Kleckerei auftragen zu können.

–Petersilie

Kann bei Rötungen im Gesicht helfen: Joghurt zusammen mit Petersilie pürieren und für ca 10 Minuten auftragen. Danach gründlich abspülen

–Aloe Vera

Das Öl der Aloe Vera-Pflanze zusammen mit Naturjoghurt ist ein reichhaltiger Power-Booster aus dem Hause „Mutter Natur“: pflegt die Haut, lässt sie strahlen

–Echter Honig

Sowohl der Joghurt als auch echter Honig haben eine antibakterielle Wirkung: Zusammen sind sie stark gegen Hautunreinheiten.

–Avocado

Wertvolle Öle der Avocato in Kombination mit Joghurt ergibt eine reichhaltige Paste zur natürlichen Pflege der Haut.

Um Joghurt selbst zu machen, braucht man nur (Voll)-Milch und Milchsäurebakterien, die bei einer bestimmten Temperatur (ca 40 Grad, etwas wärmer als handwarm) gut abgedeckt liegen gelassen werden für einige Stunden (über Nacht zB). Statt Milchsäurebakterien kann man auch gekauften Joghurt als „Treiber“ benutzen. Leider eignen sich nicht alle gekauften Joghurts als Treiber: also ausprobieren, bis man auf einen Sorte trifft, die es kann. Die Chancen sind groß, fündig zu werden, weil es bei den meisten Joghurtsorten hinhaut. 1 bis 2 Esslöffel fertigen Joghurt nehmen, ihn mit Wasser leicht verdünnen und in die gekochte, auf ca 40 Grad abgekühlte Milch geben, abdecken und ein paar Stunden ruhen lassen: fertig!

Hier die Inhaltsstoffe von Joghurt (viele sind identisch mit Milch):

Pro 100 g enthält Vollmilchjoghurt:

Energie: um die 70 kcal

Fett: 3,5 oder  3,8 %

Kohlenhydrate: 5g

davon Zucker: 5g

Eiweiß: rund 4g

Weitere Inhaltsstoffe sind: Thiamin (Vitamin B1), Riboflavin (Vitamin B2), Niacin (Vitamin B3), Vitamine B6, B12, Folsäure, Kalium, Calcium und Phosphor.

Wichtig: Dieser Artikel beruht auf rein subjektive Erfahrungen und kann nicht verallgemeinert werden. Was mir subjektiv gut tut, muss nicht bei jedem/jeder eine positive Wirkung haben. Aus diesem Grund ist der Inhalt keine Aufforderung zum Selbsttest. Wer es dennoch tut, haftet selbst für eventuelle Folgen.

Es kommt doch auf die Größe an

Für das Sättigungsgefühl kommt es auf die Müsli-Menge an Foto: tk

Mit alten Bekannten wie Haferflocken und Joghurt satt werden

Warum es einen frappierenden Effekt hat, kann ich nicht erklären, aber es gibt ihn: den Unterschied, ob ich eine kleine Schale mit Müsli esse oder eine deutlich größere.

Über Jahre hinweg achtete ich darauf, eine kleine Portion Müsli zu verspeisen, nach dem Prinzip: Weniger ist Mehr: mehr Gesundheit, weniger Völlerei.

Kürzlich griff ich nach einer deutlich größeren Müslischale, die ungefähr das Dreifache beinhaltete als meine bisherigen Müsliportionen. Ich füllte die Schale mit kernigen Haferflocken und rührte sie mit Natur-Joghurt um. Da ich hungrig war, aß ich alles auf.

Erst zum Abend hin meldete sich der Hunger wieder und ich war überrascht: Früher, wenn ich nur eine kleine Schale mit Müsli zu mir nahm, bekam ich sehr schnell Hunger und ging recht bald zum zweiten Frühstück über. Es folgten viele kleine Zwischenmahlzeiten, bis es Zeit wurde fürs warme Essen.

Meinen Blutzucker dürfte ich so manches Mal auf eine Achterbahnfahrt geschickt haben: ein Stück Kuchen, Karamellbonbons oder Schokolade beruhigte mich ungemein, hatte aber eben diese fatale Wirkung auf den Blutzucker.

Der neue Effekt an der großen Müsliportion mit Haferflocken und Joghurt war: Den ganzen Tag über habe ich weder Appetit, noch Hunger verspürt – sehr ungewöhnlich, aber erfreulich. Denn die Suche nach Zwischenmahlzeiten und ihren Zubereitungen hatte viel Zeit beansprucht und mich das eine oder andere Mal genervt. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich mich nur dann wohl fühle, wenn ich an irgendetwas kaute – und wenn es nur eine Gurke oder Karotte war.

Plötzlich diese Ruhe bis zum Abend, ohne den inneren Schrei nach weiterer Nahrung, ohne störende Unterbrechung: ein herrlich befreiendes Gefühl!

Es kam bei mir also sehr auf die Müsli-Menge an, die ich aß. Die Dosis macht`s: wohldosiert in dem Sinne, dass ich nicht mehr geizte mit dem Müsli, sondern ordentlich zulangte, blieb ich viele Stunden satt.

Die Basis für mein Müsli sind kernige Haferflocken und Joghurt ohne zusätzlichen Zucker.

Zwar mag ich Müsli mit Milch lieber, aber da ich Joghurt besser vertrage, verzichte ich auf Milch – mittlerweile habe ich mich an Müsli mit Joghurt gewöhnt. Die Flocken weiche ich im Joghurt a bisserl auf, das schmeckt mir besser und ich beiße dann nicht auf harten Hafer. Wer will, kann weitere Zutaten in die Schale schmeißen: Nüsse, Rosinen, Sesam, Bananen, Äpfel… und es beispielsweise mit Magerquark ergänzen.

Da ich es so einfach wie möglich mag und das Thema „Essen“ nur dann aufbausche, wenn ich mit anderen Zusammen opulente Speisen zubereite, reichen mir für meinen normalen Alltag und gegen meinen Hunger die zwei genannten Grundzutaten.

Nun, das mag mager klingen: Nur Joghurt natur und Haferflocken. Sollte aber nicht unterschätzt werden, was da so alles drin ist und was diese beiden Power-Lebensmittel so alles abdecken an Dingen, die unser Organismus täglich benötigt, um gesund zu bleiben:

Mit den Haferflocken nehme ich Kohlenhydrate auf. Erfreulicherweise sind es die komplexen Kohlenhydrate, die in Hafer stecken. Sie sind für uns bekömmlicher als die einfachen Kohlenhydrate in Zucker oder Weißmehl und lassen den Blutzucker nicht so stark in die Höhe schießen.

Darüber hinaus bekommt mein Körper durch Haferflocken Eiweiß, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine zugeführt.  Zwar kommen 100 g Haferflocken mit circa 350 Kilokalorien daher, aber gleichzeitig gehören sie zu den gesündesten Lebensmitteln und Getreide-Arten überhaupt. Joghurt hat mit 66 Kilokalorien erfreulich wenig pro 100 g. Wenn ich mich also ansonsten einigermaßen gesund ernähre, brauche ich keine Angst zu haben, dass 100 oder 200 Gramm Haferflocken täglich zum Dickmacher mutieren.

Joghurt ohne zusätzlichen Zucker zählt ähnlich wie Haferflocken zu den natürlichen Superfoods. Joghurt enthält Fette, Eiweiß, Kalzium, Kalium, Magnesium, Phosphor, Zink, Vitamine, Pre- und Probiotika und Spurenelemente. 

Ich nehme den cremigen Natur-Joghurt mit mindestens 3,5 Prozent Fett, manchmal sogar den griechischen mit 10 Prozent Fettanteil. Schmeckt sahniger, macht satter.

So eine Müslischale lässt sich flexibel und nach Gusto füllen: Zu Haferflocken und Joghurt passen Nüsse, Rosinen, Sesamkörner, Leinsamen, Kokosflocken, Banane, Apfel, Birne, bunte Beeren… Damit ist der Körper mit allem versorgt, was er benötigt. Wenn dann noch ein geselliges warmes Essen dazukommt, rundet dies den Tag perfekt ab.