Schlagwort: Kaffeebohnen mahlen

Coffee genießen, nicht runtergießen

Wenn ich in einer Kaffeerösterei meine Lieblingsbohne aus Mittelamerika aussuche, die ich zu Hause frisch mahle, um meinen Cappuccino aufzubrühen an der italienischen Siebträger-Espressomaschine, habe ich ein ganz anderes Geschmackserlebnis, als wenn ich mir einen fertig gemahlenen und massenhaft in Supermärkten/bei Discountern angebotenen Kaffee in die Kehle gieße.

Für die Herkunft Mittelamerika oder auch Karibik entscheide ich mich deshalb, weil diese Bohnensorten milder/säurearm und weniger bitter sein sollen. Ist mein Cappuccino nun gesünder als der 08/17-Kaffee? Oder anders gefragt: kann ich davon mehr trinken, ohne Magenprobleme oder dergleichen zu bekommen?

Kaffee gesund oder ungesund: Meinungen driften nach wie auseinander

Ob Kaffee gesund oder schädlich ist, darüber wird nach wie vor gestritten. Kaffeeliebhaber verteidigen die Bohnen auf Teufel komm raus und bemühen wissenschaftliche Ergebnisse, um zu belegen, wie gut Kaffee Körper und Seele tut. Auf der gegnerischen Seite wird u.a. behauptet, dass Kaffee im Körper Wasser binde und daher nicht sonderlich gesund sei. Auch die Frage, ob man Kaffee zu der Menge an Flüssigkeit zählen darf, die man täglich trinken soll, wird widersprüchlich beantwortet: manche sagen „ja“, andere „nein“. Die radikalen Neinsager wollen nur Wasser und ungesüßte Kräutertees zulassen.

Das Beste scheint mir, selbst auszuprobieren, wie der eigene Körper reagiert, wenn ich 1,2,3, 4 …. Tassen Kaffee/Espresso/Cappuccino/Latte Macchiato etc. trinke: Wann beginne ich, nervös zu werden in der Art, dass die Nerven flattern, mir im Magen schlecht wird oder ich sogar am Herzen spüre: ohoh, das war wohl eine Tasse zu viel. Vertrage ich Kaffee auf nüchternem Magen oder sollte ich vorher frühstücken/lieber einen magenfreundlichen Kräuter-Tee trinken und danach den ersten Kaffee? Der Körper setzt – wie bei anderen Genussmitteln auch – Grenzen. Und diese Grenze gilt es individuell auszuloten und zu respektieren.

Zuerst mal zu den möglichen Vorteilen von Kaffee:

  • macht wach durch Koffein (zumindest für eine kurze Zeit)
  • ist ein beliebtes Genussmittel
  • prägt mit seinem Duft die anziehende Atmosphäre in Cafés
  • trägt zum gesellschaftlichen Leben bei, wenn man ihn mit anderen gemeinsam einnimmt
  • kann Kopfschmerzen/Migräne verhindern/lindern
  • in Maßen genossen dürften keine Gesundheitsprobleme auftreten
  • wer schonend/nicht industriell gerösteten Kaffee kauft, mindert die Gefahr, dass die schwarze Bohne auf den Magen schlägt.

Mögliche Nachteile:

  • manche übertreiben es mit der Menge: Wer mehr als 5 Tassen am Tag trinkt, überschreitet damit die maximale Koffeinmenge an circa 400 mg (ein schwarzer Kaffee enthält 60-100 mg Koffein), die angeraten wird. Bei Übermengen sollte man sich nicht wundern, wenn Probleme auftauchen mit Magen, Nerven oder dem Herzen.
  • Magenprobleme könnten darauf zurückzuführen sein, dass man industriell gerösteten Kaffee in hohen Mengen trinkt. Wenn Kaffeebohnen schnell und bei hohen Temperaturen geröstet werden, soll dies mehr Bitterstoffe freisetzen. Ein schonendes Röstverfahren hingegen soll ihn magenfreundlicher machen
  • Kaffee soll Wasser im Körper binden. Wenn diese Behauptung stimmt, müssen wir noch mehr Wasser als üblicherweise trinken über den Tag verteilt, um diesen Effekt auszugleichen. Da sogar überzeugte Kaffeeliebhaber zugeben, dass Kaffee Wasser binden könnte, wäre es ratsam, stets Wasser zum Kaffee zu reichen
  • Wer zu Bluthochdruck neigt, sollte an Tagen mit hohen Werten lieber auf Kaffee/Koffein verzichten
  • Kann bei Verstopfung helfen (wenn man morgens nach dem ersten Kaffee ins Klo rennt, ist das nicht weiter verwunderlich: Kaffee kann den Stuhlgang anregen)

Kaffee mit oder ohne Milch – und wenn ja: Mit Kuh-, Soja-, Mandel-, Hafer- oder Kokosmilch?

Tja, bei dieser Frage kommt es nicht nur darauf an, auf den gesundheitlichen Aspekt zu achten. Die Geschmacksfrage gilt es auch zu betrachten.

Dennoch: Zuerst das Argument, das einige Kaffeeexperten für den kurzen Schwarzen anbringen: ohne Milch und schwarz getrunken werde im Körper der so genannte „Autophagie“-Prozess angeregt:  abgestorbene Zellen würden abgebaut und neue gebildet. Darüber hinaus enthalte Kaffee Antioxidantien, die schädliche freie Radikale abblocken könnten.

Mag sein, dass es gesünder ist, schonend geröstete Bohnen schwarz zu trinken, aber wie ist es mit dem Geschmack? Wer seinem Kaffee lieber Milch beimengt, sollte sich kein schlechtes Gewissen machen. Ein zu starkes/einseitiges Gesundheitsbewusstsein/zu viele Verbote können auch krank machen. Muss jeder für sich selbst die Balance finden.

In einer Kaffeerösterei finden sich charakterstarke Bohnen aus der Kaffeewelt. Und wenn – wie hier rechts auf dem Bild- neben der Rösterei ein Café zum Sitzen einlädt, steht dem Genuss ohne Reue nichts mehr im Wege.

Auch wenn Milch den tollen Autophagie-Effekt hemmen soll, habe ich mich aus Geschmacksgründen für die Variante mit herkömmlicher Kuhmilch entschieden. Alternative „Milch“-Sorten wie Soja-, Mandel-, Hafer- oder Kokosmilch verfremden den Geschmack so sehr, dass ich den Kaffee nicht mehr trinken mag. Tierische Eiweiße in der Kuhmilch hin oder her – ich bleibe beim Bisherigen. Auch wenn ich lese, dass Kuhmilch mehr Kalorien haben soll als die übrigen pflanzlichen Konsorten – ich entscheide mich gegen die magere Variante und akzeptiere die höhere Kalorienmenge. Eine Tasse Cappuccino (ca 200ml) soll ca 110 Kalorien haben, wenn man ihn mit Vollmilch zubereitet. Bei drei Tassen sind das um 300  Kalorien herum – und das ganz ohne Nahrung. Wer seinen Kaffee mit Zucker trinkt, nimmt entsprechend noch mehr Energie zu sich. Aber: Der allgemeine gesundheitsbewusste Trend schränkt uns eh stark ein, was die Wahl und Menge an Lebensmitteln/Speisen angeht. Kleine Sünden-Inseln zu verteidigen gehört für mich zum maßvollen Genießen und damit auch zur Gesundheit – meinen Cappuccino mit heißer Voll-Kuhmilch lasse ich mir nicht verleiden.

Wenn ich die bisher aufgeschnappten Gesundheitsaspekte zusammenfasse, scheint das Folgende eine gesunde Variante zu sein:

Bohnen selbst aussuchen, dabei auf Herkunft achten (die aus Mittelamerika oder Karibikstaaten sollen milder/bekömmlicher sein), Bohnen selbst mahlen, Espresso im Siebträger italienisch aufbrühen und schwarz oder mit Milch trinken. Oder ein richtig gutes Caféhaus besuchen, in dem diese Kriterien erfüllt werden: Kaffeeröstereien betreiben manchmal ein Café: beste Quelle, um in Superqualität den Kaffee zu genießen.

Die aufgezählten Kriterien sind nur ein Gerüst. Jeder kann es ausschmücken mit seiner eigenen Variante und in der Art, wie es ihm/ihr mundet. Die Grenze ist lediglich dort zu ziehen, wo Kaffee anfängt, Magen, Herz oder Nerven zu schaden: Diese Grenze ist bei jedem verschieden, daher können keine allgemein gültigen Empfehlungen ausgesprochen werden. Also gilt es, die eigene Grenze auszuloten.