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Aderlass in modernen Zeiten

Im Mittelalter manchmal problematisch, in modernen Zeiten kann ein Aderlass bei richtigem Vorgehen und unter ärztlicher Aufsicht u.a. helfen, den Bluthochdruck zu senken
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Aderlass kann sich positiv auf Bluthochdruck auswirken. Diejenigen Mediziner und Heilpraktiker, die einen Aderlass vornehmen, berichten, dass es einigen Bluthochdruck-Patienten geholfen habe. Ein weiteres Leiden ist die Migräne, bei der die Zahl/Häufigkeit der Schmerzanfälle und auch die Schmerzintensität reduziert werden können.

Vor einem Aderlass den Hämoglobin-Wert ermitteln

Mediziner weisen auf einen wichtigen Aspekt hin, der vor einem geplanten Aderlass unbedingt geklärt werden muss:

Das Blut muss dahingehend untersucht werden, ob es genügend Hämoglobin enthält. Das ist der Stoff, der unserem Blut ihre rote Farbe verleiht. Eine wichtige Aufgabe des Hämoglobins ist der Transport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid im Blut.

Nur dann, wenn Frauen mindestens einen Hämoglobin-Wert von 12g/dl haben (Normalwerte liegen bei 12-16g/dl) und Männer 14g/dl (normal sind 14-18g/dl), gibt es grünes Licht für einen Aderlass. Andernfalls landen wir bei einer Problematik, die früher im Mittelalter vorkam.

Im Mittelalter ein Risiko

Im Mittelalter, als es keine Labore gab, die die Bestandteile des Blutes analysierten, ging das Aderlassen bei einigen Leuten schief: Sie wussten nicht, dass sie über zu wenig Hämoglobin verfügen oder zur Blutarmut (Anämie) neigen.

Wenn bei Menschen mit zu wenig Hämoglobin das Blut herausfloss, führte dies zu gravierenden gesundheitlichen Problemen bis hin zum Tod. Weil die nötigen Kenntnisse noch nicht vorlagen, ging man manchmal so vor: „Wenn es nicht hilft, 300 ml Blut rauszulassen, dann entnehmen wir 400/500/600/700ml…“ Was bei einem eklatanten Hämoglobin-Mangel zu einer rapiden Verschlechterung führte.

In unseren modernen Zeiten sind wir aufgeklärter und wir wissen, worauf geachtet werden sollte. Falls nicht, gibt es Ärzte, Medizinbücher und Online-Medien als Info-Quellen. Werden die notwendigen Rahmenbedingungen eingehalten, können Aderlässe u.a. dazu beitragen, den Bluthochdruck zu senken oder die Anzahl/Häufigkeit von Migräneanfällen zu verringern. Eine mögliche Alternative zu Medikamenten, die mit gravierenden Nebenwirkungen einhergehen können.

Vorsicht bei zu wenig Eisen im Blut oder bei einem Vitamin B12-Mangel

Wer auch vorsichtig sein sollte, sind diejenigen mit zu wenig Eisen im Blut. Der Eisengehalt wird mit dem Blutverlust weniger. Bei Vitamin-B12-Mangel sollte ebenfalls ein Arzt zu Rate gezogen werden. Wer keine Kenntnis über seinen Vitamin B12-Haushalt hat, sollte dies vorab klären.

Nicht alle Ärzte oder Heilpraktiker machen Aderlässe. Manche Mediziner lassen nur bestimmte Indikationen zu, wie z.B. die so genannte „Eisenspeicherkrankheit“.  Hierbei liegt eine erhöhte Eisenaufnahme aus der Nahrung vor. Bei dieser Krankheit macht es Sinn, mit Hilfe von Aderlässen die Eisenmenge zu reduzieren.

Das Prozedere beim Aderlass

Wer einen Arzt mit Kassenzulassung findet für den Aderlass, zahlt selbst nichts aus der eigenen Tasche. Heilpraktiker stellen eine Rechnung aus, die variieren kann. Es lohnt sich also, sich vorher zu informieren. Um eine ungefähre Vorstellung von den Kosten zu bekommen: Mit 60 Euro pro Aderlass ist durchaus zu rechnen. Wie lange, in welcher Menge und in welchen Abständen man sich Blut abzapfen lassen sollte, ist am besten mit dem Arzt zu besprechen.

Der Unterschied zur normalen Blutabnahme ist: Es wird mehr Blut rausgelassen in einer Bandbreite von 100 bis 500 ml. Wer zur Blutspende geht, gibt ca. 500 ml ab. Hildegard von Bingen empfahl für den Aderlass 100 ml.  

Der konkrete Ablauf des Aderlasses sieht so aus:

Zunächst wird die Einstichstelle desinfiziert, wie bei der normalen Blutabnahme auch. Ein tiefer Stich mit der Nadel in die Armvene und wenn sie getroffen wurde, fließt das Blut über einen Schlauch in einen Plastikbeutel. Es kann einem durchaus schummrig werden – dann kann man den Arzt, Heilpraktiker oder die Schwester/den Krankenpfleger darum bitten, den Druck der Binde am Oberarm leicht zu lockern. Besser ist es, wenn man währenddessen nicht allein gelassen wird, damit sofort reagiert wird, wenn man sich total unwohl fühlt o.ä.

Nach dem Aderlass entweder sehr viel Wasser trinken oder aber sich eine Elektrolyte injizieren lassen, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen.

Wichtig: Hier geht es um allgemeine Informationen zum Thema „Aderlass“. Ein geplanter Aderlass sollte mit Bedacht und vor allem mit ärztlicher Begleitung angegangen werden. Die Infos ersetzen in keinem Fall eine Beratung durch Ärzte.