Schlagwort: Noradrenalin

Drugs & Rock`n Roll

In uns schlummern körpereigene „Drogen“ wie Dopamin oder Serotonin: Ein Mangel oder Überschuss hat oft gravierende Folgen für die Psyche, Gesundheit und das Verhalten Foto: shutterstock

Unser Körper: Ein Pool mit körpereigene Drogen

Wir haben körpereigene Drogen. Es geht hier also nicht um Marihuana, Kokain oder Ecstasy, die von außen zugeführt werden, sondern um die Stoffe, die wir bereits in uns tragen und deren Mengenverhältnisse samt komplexer Interaktion einen enormen Einfluss haben auf unsere Psyche, kognitiven Fähigkeiten, Gesundheit, unser Wohlbefinden und Verhalten.

Welche Drugs  es sind, wie wir sie mit natürlichen Mitteln & Methoden herauskitzeln können, das will ich in dieser kleinen Reihe „Drugs & Rock`n Roll“ beleuchten. Dabei betrachte ich die Effeke, die auf der einen Seite bei einem eklatanten Mangel und auf der anderen bei einem signifikanten Überschuss entstehen können.

ACHTUNG: Liegt ein gravierender Mangel oder Überschuss an bestimmten Substanzen wie Dopamin vor, ist dringend geboten, einen Arzt (in diesem Falle einen Neurologen/Psychiater) aufzusuchen, weil dies behandlungsbedürftige Erkrankungen zur Folge haben kann. Ich betrachte in dieser Reihe nur leichte,  graduelle Schwankungen, auf die wir selbst Einfluss ausüben können.

Was in dieser Reihe mit „Drugs“ gemeint ist

Den Begriff „Drug“ fasse ich recht weit: Alle Stoffe, die beteiligt sind, wenn es um unsere Hirn- und Körperfunktionen (so genannte „Neurotransmitter“ zum Beispiel) geht und die Einfluss nehmen auf unser Befinden, emotionales Verhalten, unsere Gedanken, Gefühle und die Perspektive, die wir einnehmen, wenn wir die Welt/Ereignisse/ andere Menschen betrachten/beurteilen.

Einen wissenschaftlichen Anspruch erhebe ich nicht.  Das heißt, dass ich lediglich eine Auswahl an „Drugs“ thematisiere, dabei manchmal nur Teilaspekte betrachte, die mir interessant erscheinen hinsichtlich der Frage: Kann ich bei einem eventuellen Mangel/einem Zuviel an körpereigenen Drugs etwas ändern, damit es mir besser geht? Oder, was deutlich vernünftiger wäre: Kann ich dies gemeinsam mit meinem Arzt angehen? Genauere chemische Zusammensetzungen oder theoretische Abfassungen sind weniger Gegenstand dieser Betrachtungen.

Natürlich läuft es nicht so einfach, dass man sich einen Neurotransmitter reinschiebt und schon ist alles wieder im Lot. Erstens können einige leider nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden und zweitens spielen sich im Hirn/Körper komplexe Funktionen ab, die miteinander zusammenhängen und nuanciert unterschiedliche Ergebnisse liefern. Medikamente (Psychopharmaka), die bei Depressionen oder Psychosen auf Neurotransmitter abzielen, um die Dysbalance wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen, bringen leider gravierende Nebenwirkungen mit sich. Berücksichtigt werden sollten auch noch Aspekte wie Umweltfaktoren und natürlich die individuelle Gen-Landschaft.

Körpereigene Drugs sind z.B:

Dopamin

Endorphine

Serotonin

Oxytocin

Melatonin

Tyrosin

Noradrenalin

Adrenalin

Teil 1: Dopamin und sein Mitspieler Tyrosin

Dopamin-Mangel

Als Neurotransmitter des Zentralnervensystems und vegetativen Nervensystems wirkt sich Dopamin u.a. auf Motorik und Motivation aus. Hat jemand zu wenig Dopamin im Hirn, fehlt ihm oft der Antrieb. Er macht sozusagen die Schotten dicht, wenn er schwierigen Phasen begegnet, gibt schnell auf, weil er sich oft gestresst, überfordert fühlt. Wird zum Loner, isoliert sich sozial.

Bei einem eklatanten Mangel können Depressionen bis hin zu einer schweren Psychose die Folge sein. Bei der Nervenerkrankung Parkinson spielt ebenfalls ein signifikanter Dopamin-Mangel eine gewichtige Rolle. Die Steuerung der Motorik in der Hirnregion „Substantia nigra“ ist bei Parkinson gestört.1 Patienten leiden unter dem typischen Zittern an Händen oder Kopf und einem unsicheren, mitunter gebückten Gang. Gravierende Dopamin-Mängel mit ernsthaften Erkrankungen wie Psychose oder Parkinson gehören in die Hände von Ärzten (Neurologen).

Ein weiteres mögliches Zeichen für einen Dopamin-Mangel: Die Flucht in kurzsichtige Bedürfnisbefriedigung: lieber Fastfood, Kohlenhydrate wie Nudeln, Reis, Kartoffeln, süßes wie Limo, Schoko, Kuchen, Zigaretten, Alkohol, andere externe Drogen wie Kokain, Heroin … Eben alles, was ganz schnell Befriedigung verspricht.

Fast & Furious oder Slow Motion?

Ein Trend, der sich Dopamin-Fasten nennt

Zunächst klingt es widersprüchlich: Warum sollten Menschen, die zu wenig Dopamin haben ausgerechnet beim Dopamin fasten? Dann haben sie doch am Ende noch weniger Dopamin und das wäre kontraproduktiv? Antwort: Wer es schafft, auf die schnelle Befriedigung durch Koks oder Alk zu verzichten, umgeht den Teufelskreis der Sucht. Denn wer sich daran gewöhnt, einen schnellen Dopamin-Schuss nach dem anderen herbeizurufen, der braucht immer mehr Dopamin. Wenn er sich hingegen die schnelle Befriedigung verkneifen kann, kann er erfahren, dass es durchaus möglich ist, abseits von Alkohol, Heroin … Befriedigung zu erlangen. Vielleicht nicht so schnell und intensiv, dafür aber ohne all die negativen Begleiterscheinungen, die eine Alkohol- oder Heroinsucht mit sich bringt. Fast & Furious oder Slow Motion: die Mitte zwischen diesen beiden Extremen könnte hilfreich sein.

Dopamin-Überschuss

Wer zu viel Dopamin hat, lässt mehr Reize durch, kann nicht mehr filtern und unterscheiden, was wichtig und was weniger wichtig ist. An sich irrelevante Geräusche oder Ereignisse bekommen mehr Gewicht. Man verzettelt sich total, verliert den Überblick fürs Große und Ganze und manchmal geht einem sogar das Gefühl für sich selbst abhanden, Apathie und Gleichgültigkeit kehren ein. Man beißt sich fest.

Durch die ungefilterte Reizüberflutung ist man überfordert, fühlt sich dauergestresst – dies kann bis zum Nervenzusammenbruch führen.  

Funktion des Dopamins

Als Botenstoff ist Dopamin fürs Weiterleiten der Signale zwischen den Neuronen im Hirn zuständig. Dieser wichtige Transmitterstoff beeinflusst sowohl die körperliche wie auch die psychische Beweglichkeit.

Ausgeglichen sind diejenigen mit einem durchschnittlichen Anteil an Dopamin im Körper/Hirn. Der Dopaminspiegel wirkt sich auch auf die Lebenslust, den Mut, Aufgaben anzugehen und abzuschließen oder neue ins Visier zu nehmen. Mit Belohnung/Bestrafung hat Dopamin ebenfalls zu tun. Wenn es um Sex oder Geld geht, scheint der Mensch keine Grenzen zu kennen, so die Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung.

Was kann ich auf natürliche Weise tun, um meine Dopaminspiegel zu pushen?

Liegt nur ein gradueller Mangel vor, der sich lediglich leicht negativ auf die Stimmung und den Antrieb auswirkt, kann man selbst einiges tun. Gravierender Dopaminmangel kann schwere Erkrankungen wie eine Psychose oder Parkinson zur Folge haben und gehört in ärztliche Behandlung.

Was wir selbst tun können:

-rausgehen und bewegen

-Sport/Bewegung generell

-uns fokussieren auf Dinge, die uns gut tun: zB Musik, die man mag. Rock`n Roll im übertragenen Sinne für gute Vibes kann sich günstig auf unser Gemüt auswirken.

-Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga, TaiChi, QiGong…

–soziale Kontakte pflegen (schwierig in Corona-Zeiten).

– möglichst einem Job nachgehen, der einen nicht frustet

-sich Ziele setzen, die erreichbar sind

– ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln, die dabei helfen können, den Dopamin- bzw. Tyrosinspiegel zu dopen. Die Aminosäure Tyrosin ist eine Zwischenstufe bei der Bildung von Dopamin. An der Produktion beteiligt sind auch Magnesium, Zink, Eisen, Folsäure und die Vitamine C und B6. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist es nicht nötig, gezielt die Aminosäure Tyrosin einzunehmen.

Eine graduelle Beeinflussung könnte über unsere Ernährung laufen. Lebensmittel mit hohem Tyrosinanteil sind u.a:2

Nüsse: Erdnüsse haben den höchsten Tyrosingehalt unter den Nüssen, gefolgt von Sesam und Mandeln

Hülsenfrüchte enthalten recht viel Tyrosin: Sojabohnen, Erbsen, weiße Bohnen, Linsen, Kichererbsen

Milchprodukte/Käse mit hohem Tyrosingehalt: Parmesan 36,6 % Fett i.Tr, Gauda 45% F.i.Tr, Edamer 30 % Fett i.Tr., Camembert 30 % Fett i.Tr., Brie 50 % i.Tr., Magerquark, Frischkäse 50% Fett i.Tr.

Getreide: Haferflocken, Dinkelmehl, Hafer

Gemüse enthält relativ wenig Tyrosin, an vorderster Reihe stehen: Grünkohl, Petersilie, Spinat, Kartoffeln

Wie Gemüse auch, steckt in Obst recht wenig Tyrosin. Am meisten haben Avocado, Bananen, Erdbeeren

Fisch : Thunfisch, Rochen, Lachs, Kabeljau, Sardine, Forelle, Heilbutt, Hering, Garnele

Fleisch: Kochschinken, Schweinefleisch, Rindfleisch, Lammfleisch, Kalbfleisch

Supplemente, die eventuell helfen könnten: 3

Zink-Orotat, Magnesium-Orotat (oder-Threonat), Rosenwurzeltee (Rhodiola Rosea), Ginkgo Biloba, Guarana.

1. Zum Zusammenhang Dopamin-Mangel und Parkinson siehe:

https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/dopamin/2959

2. Zu den Lebensmitteln und ihrem Tyrosin-Gehalt siehe:

https://www.eucell.de/ernaehrung/ernaehrungslexikon/aminosaeuren/semi-essentielle-aminosaeuren/tyrosin/lebensmittel.html

3. Zum Thema: Dopamin, Mangel und Überschuss siehe das Video des Gesundheitsmanagers für Prävention,  Mario Danzer: „Dopamin & menschliches Verhalten“