Schlagwort: Omega-3-Fettsäuren

„Fisch essen ist gesund wegen Omega-3-Fettsäuren“, heißt es. Schützen sie wirklich das Herz und wie ist es mit Quecksilber und Mikroplastik in Fisch?

In Fisch stecken Omega-3-Fettsäuren, denen nachgesagt wird, dass sie unser Herz vor Erkrankungen schützen. Im Bild werden an einem Haken hängende Saiblinge und Forellen über offenem Feuer geräuchert.

Mich erstaunt es immer wieder, mit welcher Leidenschaft und welchem Nachdruck einige Leute gewisse Nahrungsmittel oder Substanzen als „gesund, weil…“ anpreisen.

Ein solcher Fall ist Fisch, bzw. die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. Lange Zeit hieß es, man solle unbedingt Fisch essen – so 1x die Woche oder öfter – um den Körper mit gesunden ungesättigten Omega-3-Fettsäuren zu versorgen. Denn unser Organismus kann diese Fettsäuren nicht selbst bilden und muss sie über die Nahrung aufnehmen.

Im Zuge dieser Message ging die Ära der Fischölkapseln los – die schnelle Art, die als gesund angepriesenen Fettsäuren aufzunehmen, ohne ein Fisch filetrieren und zubereiten zu müssen.

Wie zu erwarten war, tauchten Widersacher auf, die bezweifelten, dass Fischverzehr viel bringen würde für die Gesundheit.

Ich kenne kaum einen ernährungstechnischen Rat, dem nicht früher oder später widersprochen wird. Am Ende bleiben wir wie so oft ratlos zurück.

Ich will versuchen, ausgewogen darzustellen, was an wichtigen Fakten vorliegt, damit es leichter wird zu entscheiden, wie man sein Verhältnis zu Fisch gestalten möchte.

Fisch-Öl-Freunde

Befürworter des Fisch-Öls gaben an, dass man vor allem seinem Herzen was Gutes tue – man bräuchte nur die Inuit auf Grönland betrachten – die würden so gut wie gar nicht an Herzleiden sterben – und die essen nun mal viel fetten Fisch (Robben- und Walspeck). Es wird geraten, fettreiche Fische wie Lachs oder Makrele zu essen, weil die besonders viel von den wertvollen Omega-3-Fettsäuren enthalten würden.

Über das Herz hinaus wären Fischöle hilfreich, wenn es um die präventive Vermeidung von Schlaganfall oder gar Krebs ginge.

Fisch-Öl-Feinde

Vor allem amerikanische Food-Forscher widersprechen und weisen darauf hin, dass keiner überprüft habe, woran die Inuit denn tatsächlich gestorben seien. Diese Lücke sei mittlerweile nachgeholt worden mit dem Ergebnis, dass durch Studien belegbar sei, dass Fischöl leider nicht so hilfreich sei wie angenommen. Denn jetzt wisse man, dass auch die Inuit durchaus an Herzerkrankungen verstorben seien – dies wäre bisher nur nicht kommuniziert und erst recht nicht untersucht worden.

Fisch mag, so heißt in den Reihen der Kritiker, generell Bestandteil einer gesunden Ernährung sein, aber es sei noch kein Beweis erbracht worden dafür, dass allein Omega-3-Fettsäuren in der Lage seien, das Herz vor Erkrankungen zu schützen. Dies gelte insbesondere für Omega-3-Fettsäure-Kapseln. So fasst die Cochrane Collaboration die Ergebnisse einer Metastudie zu Omega-3-Fettsäuren über die Wirkung aufs Herz folgendermaßen zusammen:

„Es gibt wenig Evidenz bezüglich der Auswirkungen von Fischmahlzeiten.“

Soweit die typischen Gegenlager, wie wir sie bei fast jedem Lebensmittel vorfinden.

Und was ist mit Quecksilber oder Mikroplastik in Fisch?

Noch bekömmlich für uns bei den Mengen an Quecksilber und Mikroplastik, die in Fischmägen heutzutage stecken?

Über die obig grob skizierten typischen Lagerkämpfe hinaus möchte ich den Blick auf Quecksilber und Mikroplastik in Fischbeständen werfen. Einigkeit in der Expertenwelt herrscht immerhin darin, dass unsere Fische leider tatsächlich zu stark mit Quecksilber und/oder Mikroplastik konterminiert sind.

In der Tageschau vom 8. Juni 2019 wurde beispielsweise gemeldet, dass acht Millionen Tonnen Plastikmüll jährlich in den Meeren landen – und damit auch in den Mägen der Fische. Wenn wir dann diese Fische verzehren, landen wir bei der klassischen kreisrunden Nahrungskette.

Fischarten, die älter werden, sind dem Plastikmüll länger ausgesetzt.  Dazu zählt beispielsweise der Thunfisch.

Daher wird angeraten, lieber kurzlebigere und fettreiche Sorten wie Lachs oder Makrele zu essen, um in puncto Plastik und Quecksilber glimpflicher davonzukommen und gleichzeitig von den positiven Effekten zu profitieren.

Alternativen zu Fischöl in Fisch oder zu Fischöl-Kapseln

Fischöl-Kapseln werden häufig aus Krill gemacht – das sind kleine Krebstiere. Sinken dadurch die Krill-Bestände, werden anderen Meeresbewohnern die Nahrungsgrundlage weggenommen: Blau- und Finnwale, Tintenfische, Robben oder Pinguine ernähren sich von Krebstierchen.  

Wer nicht so gerne Fisch isst oder nicht dazu beitragen möchte, die Krillbestände zu senken, aber dennoch die als wertvoll propagierten ungesättigten Fettsäuren seinem Körper zuführen möchte, kann ausweichen auf pflanzliche Alternativen wie

Nüsse (insbesondere Walnüsse)

Pflanzliche Öle

Avocado

Wenn Fisch, dann …

Wer die Herkunft seiner Fische kennt, ist im Vorteil: Hier eine Fischzucht-Anlage unter freiem Himmel in Bayern

Umgekehrt gilt: Wer Fisch mag, der greift lieber zu Sorten, die eher kurz leben und dadurch weniger an Plastik und Quecksilber geschluckt haben. Fast alle Ernährungs-Experten sind sich einig darin, dass Fisch Bestandteil einer gesunden, ausgewogenen Nahrung ist. Die Meinungen gehen dann auseinander, wenn den im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren allein oder gar Fischöl-Kapseln die und die gesundheitsfördernde Eigenschaft zugeordnet wird.

Schön ist es, wenn man seinen Fischlieferanten kennt: Ich fahre zum Beispiel mit meinem Radl eine Stunde zu einem Fischzüchter, der inmitten einer oberbayerischen Postkartenidylle seine Fische in natürlichen Bassins unter freiem Himmel großzieht. Ich kann dann mit dem Finger auf den Fisch tippen, den ich haben will.

Kein schöner Moment, wenn dieser Fisch wegen meinen Neigungen einen auf den Kopf kriegt. Eben noch munter im Teich und dann tot – wegen mir. Kein schönes Gefühl, aber wenn der Fisch in meiner Pfanne brutzelt und verführerisch duftet, dann verdränge ich den brutalen Akt, der notwendig war, damit ich mir einen ultra-frischen und schmackhaften Fisch einverleiben kann.

Wer so eine erquickliche Fischquelle gefunden hat wie ich, kann sich unter freiem Himmel an einen bayerisch-weiß-blau gedeckten Tisch hocken und eine Portion frisch geräucherten oder gebratenen Saibling bestellen.

Was ist nun mit den Omega-3-Fettsäuren: retten sie unser Herz vor Krankheiten oder nicht?
In Nachbarschaft zu den natürlich angelegten Fisch-Bassins sich niederlassen und eine Portion ultra-frischen gebratenen Saibling bestellen: ein wunderbarer Genuss unter freiem, bayerisch- weiß-blauen Himmel