Ü40 und schnittig

Der einfachste Weg, schnittig zu sein: Wir lassen uns den Schneid nicht nehmen – und zwar völlig unabhängig davon, ob wir über oder unter 40 sind! Weder von Fashion-Zwängen noch von Leuten in unserem Umfeld, die meinen, uns sagen zu müssen, wie wir sein oder handeln sollten. Rückgrat zeigen heißt die Devise – und wenn Rückenübungen dabei helfen, den Rückgrat nicht verbiegen zu lassen: dann bitte schön üben, am besten regelmäßig, um das Ziel aufrecht zu erhalten.

Die eine fühlt sich wohl mit ihren Falten, die andere nicht. Keine hat das Recht, sich (ver-) urteilend über die andere zu stellen. Wenn ich es schön finde, meine Falten und sonstigen äußeren Lebensspuren zu akzeptieren, dann ist das gut so. Wenn ich aber entscheide, Falten mit Hilfe von Profis zu glätten, dann mag das auch okay sein. Allerdings muss ich damit klarkommen, wenn jemand mir sagen sollte: „Du erinnerst mich irgendwie an Michael Jackson“ – oder noch extremer: an Donatella Versace. Was schön oder hässlich ist, wird aus einer höchst subjektiven Perspektive aus betrachtet. Gut, es  mag Menschen geben, die von 70 oder 80 % der Betrachter als schön oder umgekehrt als hässlich bezeichnet werden – dennoch bleibt es eine subjektive Angelegenheit. Hauptsache, wir fühlen uns wohl in unserer Haut.

Da unser Körper aus der biologischen Perspektive betrachtet ab dem 25. Lebensjahr abbaut, stehen wir jenseits der 40 vor dem Problem, dass wir selbst immer mehr dazu beitragen müssen, um gesund und munter zu bleiben.

Wir brauchen im Alter weniger Energie – dementsprechend sollten wir die Energiezufuhr beim Essen anpassen, sprich anders und/oder weniger essen. Konkretes Beispiel: Mit 20 konnte ich locker drei Pasta-Teller verdrücken. Heute begnüge ich mich mit zwei Tellern. Während ich als Twen häufig Tanzclubs besucht hatte, in denen ich bis morgens 5 Uhr abhottete, fallen diese Clubbesuche seit zwei Jahrzehnten aus: Weniger Energieverbrauch ist die Folge – dementsprechend muss ich bei dem, was ich mir an Nahrung zuführe, stärker aufpassen, um nicht aus der Form zu fallen. Ja, ich gehöre zu den Frauen, die mit ihren 52 Jahren nicht aus der Form geraten wollen. Ich finde es völlig okay, wenn andere Frauen diesen Punkt eher ignorieren und dazu übergehen, sich bequem mit passender Kleidung auszustatten.

Ich hatte ein einschneidendes Erlebnis in der Umkleidekabine eines Hamburger Sportclubs: Nacheinander konnte ich beobachten, wie eine knochige und eine runde Frau sich anzogen. Die Frau mit den weichen Rundungen gefiel mir viel besser, sie sah zufrieden aus, mit einem sympathischen Lächeln um die Mundwinkel. Die andere wirkte irgendwie professionell: perfekte Sportkleidung und teure Accessoires, vom Körper her asketisch anmutend – aber sie wirkte angestrengt auf mich und nicht sonderlich zufrieden. Da dachte ich mir: Wenn ich die Wahl hätte zwischen rund und zufrieden und knochig und unzufrieden, dann her mit den Pfunden!  Aber Gott sei Dank gibt es ja Zwischenstufen zwischen diesen beiden Frauentypen. Ich gefalle mir spätestens dann nicht, wenn ich mich in der Wohnung zufällig nackt sehe und ernsthaft daran zweifeln muss, ob ich in meine Lieblingsbluse noch reinpasse: Eine gewisse Körperform möchte ich bei mir noch erkennen, eine, die ich nach meiner Fasson in Kleider stecke. Ich liebe es beispielsweise, taillenbetonte Kleidung zu tragen; das wäre mit Fettpolstern schwer möglich bzw. sieht in meinen Augen nicht ästhetisch aus – also achte ich darauf, dass sich die Fettpölsterchen in Grenzen halten. Nicht übermäßig, denn dann könnte ich keine leckeren zwei Pasta-Teller essen – nun: es gibt ja noch die Möglichkeit, sich zu bewegen und Sport zu machen. Tue ich, sobald Zeit dafür da ist (so wie jetzt beim Texten an meinem Schreibtisch).

Es scheint mir viel gesünder, sich am eigenen Körper zu messen als an BMI-Werten oder dem Taillenumfang in Zentimetern. Solange mein Arzt mir nicht attestiert: „Ihre Kilos sind die Ursache für die und die Krankheit“, bewege ich mich in einem gesunden Radius und kann ruhigen Gewissens allgemein aufgestellte Regeln/Zentimeter ignorieren.

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